Welche Idee dahinter steht
Die
Verhaltenstherapie geht davon aus, dass jedes Verhalten
nach gleichen Prinzipien erlernt, aufrechterhalten und
auch wieder verlernt werden kann.
Dabei wird unter Verhalten nicht nur die äußerlich
sichtbare Aktivität des Menschen verstanden, sondern
auch die inneren Vorgänge wie Gefühle, Denken
und körperliche Prozesse.
Die Auseinandersetzung mit der Umwelt erfordert zahlreiche
Lern- und Anpassungsleistungen. Wir fühlen uns
wohl, wenn wir in der Lage sind, auf diese psychischen
und physischen Anforderungen flexibel und unter angemessener
Berücksichtigung unserer Bedürfnisse selbstverantwortlich
zu reagieren.
Reichen die eigenen Fähigkeiten nicht aus, um zentrale
Bedürfnisse wie die nach sozialer Sicherheit, befriedigenden
Beziehungen oder selbstbestimmter Lebensgestaltung zu
erfüllen oder stehen äußere Umstände
dem entgegen, wird das Wohlbefinden beeinträchtigt.
Die Folgen können seelische und körperliche
Erkrankungen sein. Bei schizophrenen Störungen
wird davon ausgegangen, dass häufig die Fähigkeit
zur Anpassung an die Umweltanforderungen – insbesondere
die soziale – durch eine vererbte Verletzlichkeit
(Vulnerabilität) herabgesetzt ist. Unter anderem
kann sich dies auswirken auf eine reduzierte Verarbeitungskapazität,
die die Aufmerksamkeit und Konzentration erschwert.
Unangenehme Reize scheinen häufiger zur Überaktivität
des autonomen Nervensystems zu führen. Dadurch
kann in sozial schwierigen oder unübersichtlichen
Situationen Stress hervorgerufen werden. Ein emotional
belastendes Familienklima oder die soziale Umgebung,
aber auch negative Lebensereignisse, können dann
zur Überforderung und zur Schizophrenie führen
(Vulnerabilitäts-Stress-Modell).
Die Wirkung der Verhaltenstherapie besteht nun darin,
in und außerhalb der Behandlung Lernprozesse in
Gang zu setzen. Der Betroffene soll in die Lage versetzt
werden, eigene – oft gewohnheitsmäßig
ablaufende – Verhaltensmuster zu verändern,
die bislang seinem Wohlbefinden im Wege stehen.
So kann ein depressiv Erkrankter während der Therapie
lernen, sich selbstsicherer zu verhalten und damit in
der Begegnung mit anderen Menschen befriedigendere Erfahrungen
zu machen. Häufig genug tragen auch früh erworbene
Denkmuster, wie »ich kann nur zufrieden mit mir
sein, wenn ich mindestens ebenso gut bin, wie alle anderen
in meiner Umgebung« zu Störungen bei. Ein
derart verzerrter Maßstab ist auf Dauer nicht
durchzuhalten. Vielmehr führt er zu einer tiefsitzenden
Unzufriedenheit, Versagensängsten sowie anderen
negativen (Selbst)Beurteilungen und kann längerfristig
oder in besonderen Belastungssituationen zu einer seelischen
Störung oder zu körperlichen Beschwerden beitragen.
Hier gilt es, andere angemessenere und erreichbare Ziele
zu entwickeln und sich nach realistischeren Maßstäben
bewerten zu lernen.
Wenn es möglich und notwendig ist, wird versucht,
wichtige Bezugspersonen in die Therapie mit einzubeziehen
oder Veränderungen in der Umgebung (Wohnung, Arbeit)
zu fördern, die im Zusammenhang mit den Beeinträchtigungen
stehen und zu einem gesünderen Leben beitragen
können.
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Wie behandelt wird
Als Ratsuchender nehmen Sie vom Beginn einer Therapie
an aktiv an einem intensiven und konzentrierten Prozess
teil: Die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit, Ihre
aktuelle Lebenssituation, die Beziehung zu wichtigen
Bezugspersonen, Ihre Art, sich selbst und die Umwelt
wahrzunehmen, und Ihre Fähigkeiten, die verschiedenen
Anforderungen des Alltages zu bewältigen, werden
eingehend erfragt. Zusätzlich wird der Therapeut
Sie oft bitten, Fragebögen auszufüllen oder
detaillierte Tagesaufzeichnungen anzufertigen. Diese
Phase soll dem Therapeuten einen umfassenden Überblick
über alle wichtigen Bedingungen geben, die im Zusammenhang
mit den aktuellen Schwierigkeiten von Bedeutung sind.
Ein weiterer Schwerpunkt in dieser Phase der Informationsaufnahme
ist die Verständigung darüber, welche konkreten
Ziele und Erwartungen Sie mit der Therapie verbinden.
Als Ausgangspunkt für die eigentliche Behandlung
wird gemeinsam ein sog. Bedingungs- oder Erklärungsmodell
erstellt. Dieses individuell für Sie zugeschnittene
Modell soll ihre psychischen Beeinträchtigungen
verstehen helfen. Dazu werden die erhobenen Erkentnisse
Ihrer Lerngeschichte und die derzeitigen Lebensbedingungen
auf dem Hintergrund von gut geprüften Erkenntnissen
aus der Therapieforschung in einen für Sie verstehbaren
Zusammenhang gebracht. Darauf aufbauend wird mit Ihnen
das weitere Vorgehen geplant. Sie wirken also von Anfang
an verantwortlich und bestimmend an Ihrer Therapie mit.
Wichtigstes Ziel der gemeinsamen Arbeit ist, Sie in
die Lage zu versetzen, letztlich Ihr eigener Therapeut
zu werden. Deshalb wird Ihnen alles, was für den
Heilungsverlauf wichtig ist, verständlich und nachvollziehbar
dargelegt. Ihre Wünsche und Bedürfnisse bestimmen
weitgehend die Inhalte und den Ablauf der Behandlung.
Andererseits ist es notwendig, dass Sie in den und außerhalb
der Gespräche – auch wenn es Anstrengung
und Überwindung kostet – sich darauf einlassen,
neue Verhaltensmöglichkeiten auszuprobieren und
einzuüben.
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